Die Geschichte von Francine R. ❘ Graphic Novel

Französischer Comic über das KZ Watenstedt/Leinde auf Deutsch erschienen:

Die Geschichte der Francine R.,
Widerstand und Deportation April 1944-Juli 1945

Auf den Spuren einer Cousine seiner Großmutter, Francine R., hat der Franzose Boris Golzio im September 2017 die KZ-Gedenkstätten Ravensbrück, Neuengamme und Drütte besucht.  Boris hatte die inzwischen verstorbene Francine zu ihren Erfahrungen als Häftling im KZ Watenstedt/Leinde interviewt. Als gelernter Zeichner wollte er darüber kein Buch verfassen, sondern einen Comic erstellen. Dieser erschien 2018 in Frankreich – zum Gedenken an Francine R. und an Elke Zacharias. Mit Unterstützung der Gedenkstätte Ravensbrück, der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und mittels einer Spende der Fondation Tour Du Monde konnte diese ‚graphic novel‘ inzwischen auf Deutsch erscheinen.

Als Mitglied der Résistance wurde Francine R. im April 1944 verhaftet und über französische Gefängnisse schließlich nach Ravensbrück deportiert, wo sie am 18. Mai 1944 ankam. Dort musste sie die entwürdigenden Eingangsrituale eines KZ über sich ergehen lassen.

Am 6. Juli 1944 wurde Francine einem Kommando zugeordnet, das sie nach Watenstedt/Leinde führte. Ihr Leben in diesem Lager wird detailliert dargestellt: die Ankunft, der Hunger, die Folterungen, die Qualen durch Läuse, das schwierige Verhältnis zwischen Französinnen und Polinnen, die Hermann-Göring-Werke, die Arbeit in den Stahlwerken Braunschweig und schließlich der lebensbedrohliche Sabotagevorwurf.

Bemerkenswert ist die zeichnerische Präzision der Örtlichkeiten, die er zum einen Fotos und Dokumenten entnommen hat, aber auch Bernhard Strebels präzise Kenntnisse sowohl zu Ravensbrück als auch zu Watenstedt/Leinde halfen ihm sehr.

Auf Seite 68 unten sieht man einen Bauern, der sein Feld bearbeitet, das an das KZ-Gelände angrenzte. Neben ihm steht seine Frau, die ihrer zehnjährigen Tochter angesichts einer Erhängung im Lager die Augen zuhält. Diese Episode hatte Boris 2017 von Albrecht Materne erfahren, der sich in den Anfangsjahren des Arbeitskreises Stadtgeschichte zusammen mit Helmut Strauch mit dem KZ Watenstedt/ Leinde beschäftigt und Bewohnerinnen aus dem Dorf Leinde interviewt hatte.

Der Comic von Boris Golzio erinnert eindrucksvoll an ein dunkles Kapitel der Geschichte unserer Stadt.

Eva Freudenstein